
Warum lieben wir deftiges Essen und haben ein schlechtes Gewissen, wenn wir nicht teilen? Wieso glauben wir an Übernatürliches oder gehen gerne auf Partys? Und woher kommt unser Wunsch, etwas zu besitzen – und warum führt das oft zu Problemen?
Diesen und vielen weiteren Fragen geht MONREPOS – das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution – auf ungewöhnliche Weise nach. Hoch über dem Mittelrheintal bei Neuwied verbindet das Museum archäologische Erkenntnisse mit der Frage, was sie heute noch mit uns zu tun haben.
Die Ausstellung „MenschlICHes VERSTEHEN“ führt Besucherinnen und Besucher dabei auf den langen Weg zurück zu ihren Wurzeln und macht aktuelle Forschungsergebnisse erlebbar. Hier wird jeder selbst zum Archäologen: Exponate müssen entdeckt, erlebt und interpretiert werden. Das klassische museale „Bitte nicht anfassen“ ist außer Kraft gesetzt – umso einprägsamer sind die Erkenntnisse, die man über sich selbst, seine Vorfahren und seine Zeitgenossen mit nach Hause nimmt. Wer das Museum besucht, begegnet nicht nur den frühen Menschen, sondern auch sich selbst. Die Botschaft lautet: Neugier lohnt sich – heute wie schon vor über 3 Millionen Jahren.

Die interaktive Dauerausstellung „MenschlICHes VERSTEHEN“ nimmt das Verhalten der Besucherinnen und Besucher zum Ausgangspunkt und führt von dort zurück zu den Ursprüngen der Menschheitsgeschichte. Archäologische Funde aus der Alt- und Mittelsteinzeit werden nicht nur gezeigt, sondern aktiv in die Auseinandersetzung einbezogen: An die 2.000 Objekte wollen entdeckt werden. Anfassen ist im MONREPOS an vielen Stellen ausdrücklich erlaubt.
Dabei geht es in der Ausstellung weniger um Jahreszahlen als um Zusammenhänge. Sie macht sichtbar, dass viele Denk- und Handlungsmuster, die unseren Alltag prägen, auf ein sehr altes Verhaltensrepertoire zurückgehen. MONREPOS liefert keine einfachen Antworten, sondern eröffnet neue Perspektiven auf das eigene Handeln. Wer das Museum verlässt, nimmt nicht nur Wissen über das Verhalten unserer altsteinzeitlichen Vorfahren mit, sondern auch Anregungen, sich selbst und andere besser im Hier und Jetzt zu verstehen. Steinzeit zum Weiterdenken: Aktuelle gesellschaftspolitisch relevante Themen etwa lassen sich so aus dem Blickwinkel der frühen Menschheitsgeschichte besser verstehen.

MONREPOS ist als „LernOrt Nachhaltigkeit“ ein außerschulischer Lernort für alle Altersgruppen. Ob allein oder »im Rudel«, privat oder mit der Schulklasse, als Reiseveranstalter oder zu Forschungszwecken – hier findet jeder etwas Passendes. Zum Programm gehören Themenführungen, Familienführungen, Workshops für Gruppen unterschiedlichen Alters, Vorträge sowie besondere Formate wie Wildpflanzen-, Wildkräuter- und Pilzexkursionen oder ein Steinzeitbarbecue. Auch Kindergeburtstage sind Teil des Angebots. Wissen wird hier dialogisch vermittelt – mit Raum für eigene Fragen, Erfahrungen und Perspektiven.
Ab dem Frühjahr 2026 wird das Angebot speziell für Kinder weiter ausgebaut: Geplant sind acht unterschiedliche Tabletführungen sowie ein Mammut-Entdeckerpfad für Kinder bis sieben Jahre, der spielerisch an archäologische Themen heranführt.

Seit über 30 Jahren untersuchen Archäologinnen und Archäologen aus aller Welt in MONREPOS die Ursprünge menschlichen Verhaltens. Die Forschung reicht von den ersten Werkzeugen bis zu sozialen Mustern, die unser Zusammenleben bis heute prägen. MONREPOS gehört zum Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) und ist Teil eines internationalen Forschungsnetzwerks. Die Ergebnisse dieser Arbeit bilden die Grundlage für Ausstellung und Vermittlungsformate im Museum. Sie werden hier verständlich und alltagsnah übersetzt.
Ausgangspunkt der Forschung in MONREPOS waren ursprünglich die bedeutenden altsteinzeitlichen Fundstellen des Neuwieder Beckens. Heute reicht der Blick weit darüber hinaus: Zu den internationalen Forschungsprojekten von MONREPOS gehören unter anderem Fundstellen in Dmanisi (Georgien), Solutré (Frankreich), Atapuerca (Spanien), Vila do Bispo (Portugal), Willendorf (Österreich), Kůlna (Tschechien), Alapars (Armenien) sowie ʻUbeidiya und Gesher Benot Yaʿaqov (Israel), Taforalt (Marokko) und Melka Kunture (Äthiopien). Ziel ist es, menschliche Verhaltensevolution über lange Zeiträume hinweg vergleichend zu erforschen.

Monrepos („mon repos“ – französisch „meine Ruhe“) war einst der Sommersitz des Fürstenhauses zu Wied. Das Schloss liegt in einem historischen Naherholungsgebiet zwischen den UNESCO-Welterbestätten „Oberes Mittelrheintal“ und „Obergermanisch-Rätischer Limes“. Noch heute erinnern zahlreiche Bauwerke an die Zeit als fürstliche Residenz, darunter das ehemalige Waldheim, auch „Palais der Prinzessinnen“ genannt, heute Sitz des MONREPOS Archäologischen Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution.
Die weitläufige Parkanlage rund um das Schloss ist teilweise erhalten. Sie beherbergt exotische Baum- und Pflanzenarten sowie einzelne Denkmäler und lädt zu Spaziergängen durch den historischen Landschaftspark ein. Zum Museumsbesuch gehört auch das Café-Bistro „Heimathirsch“, das mit seinem Angebot zum Verweilen einlädt.
MONREPOS – Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution
Schloss Monrepos
56567 Neuwied
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Öffnungszeiten:
Mi.–So. sowie feiertags 10–17 Uhr, Di. auf Anfrage
Eintritt:
Erwachsene 6 € | ermäßigt 4 € | Kinder ab 6 Jahren 4 €
Gastronomie:
Café-Bistro „Heimathirsch“, Do.–So. sowie feiertags 12–18 Uhr, aktuell nur Barzahlung möglich.
Hinweis zur Barrierefreiheit:
Schloss Monrepos ist bestmöglich rollstuhl- und kinderwagengerecht. Sowohl in der Ausstellung als auch in der Museumspädagogik steht jeweils ein behindertengerechtes WC zur Verfügung. Auch die Terrasse mit Panoramablick und unser Café-Restaurant Heimathirsch sind barrierefrei zugänglich.
Die Auszeichnung „Museum des Monats“ ist mit 1.000 Euro dotiert und wird seit August 2022 vom Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz ausgelobt. Sie hat zum Ziel, die Museumsarbeit vor allem kleiner und mittelgroßer Museen landesweit in den Fokus rücken. Ausgezeichnet werden Museen, die sich mit gelungenen Ausstellungsprojekten zur Orts-, Regional- oder Landesgeschichte, mit innovativen Vermittlungsideen, interessanten digitalen Angeboten, erfolgreichen Partizipationsprojekten, gelungenen Maßnahmen zur Umsetzung der Barrierefreiheit, außergewöhnlichem gesellschaftlichem Engagement, beispielhaften Projekten zum Sammlungserhalt oder zur Sammlungserschließung oder bemerkenswerten Projekten generationenübergreifenden bürgerschaftlichen Engagements hervortun. Unterstützt wird das Kulturministerium bei der Auswahl der Auszeichnungen vom Museumsverband Rheinland-Pfalz. Alle ausgezeichneten Museen im Überblick gibt es auf der Webseite des Museumsverbands Rheinland-Pfalz:
Museumsverband Rheinland-Pfalz | Museum des Monats
