
Wer Kabarett liebt – oder einfach neugierig auf Kultur, Satire und Zeitgeschichte ist – sollte dem Deutschen Kabarettarchiv in Mainz unbedingt einen Besuch abstatten. Das Haus, das seit 2019 zusätzlich zum Archiv auch ein eigenes Museum beherbergt, wurde nicht ohne Grund zum „Museum des Monats Dezember“ gekürt. Hinter den historischen Mauern des Proviantmagazins erwartet Gäste eine faszinierende Reise durch mehr als ein Jahrhundert Humor, Kunst und gesellschaftlichen Wandel. Wohin sie auch blicken, überall begegnen ihnen die Großen und ganz Großen der Satire – Kurt Tucholsky, Werner Finck, Annemarie Haase, Hanns Dieter Hüsch, Liesl Karlstadt, Karl Valentin, Dieter Hildebrandt, Loriot und viele mehr…
Das Deutsche Kabarettarchiv und -museum ist zugleich Begegnungsstätte und Veranstaltungsort mit umfangreichem Bühnenprogramm.

Das Museum erzählt die Geschichte des deutschsprachigen Kabaretts nicht trocken, sondern lebendig und anschaulich. Manuskripte, Plakate, Zeichnungen, Bühnenfotos und viele weitere Originale lassen die großen Stimmen und mutigen Künstlerinnen und Künstler wieder aufleben, die den Zeitgeist geprägt und mitunter ordentlich durchgeschüttelt haben.
Die aktuelle Sonderausstellung „Benjamin, ich hab’ nichts anzuzieh’n!“ (bis Juni 2026) entführt Besucherinnen und Besucher in die Goldenen Zwanziger. Im Mittelpunkt stehen farbenfrohe, kunstvoll gestaltete Notenhefte jener Jahre – kleine Zeitkapseln, die von der Aufbruchstimmung der Weimarer Republik, vom Jazz, von neuen Rollenbildern und einem Lebensgefühl zwischen Melancholie und Lebenslust erzählen. Die Illustrationen reichen von Art Déco bis Jugendstil und sind fast selbst kleine Bühnenstücke.

Seit der Eröffnung des Museums wurden bereits neun Sonderausstellungen realisiert. Jede Ausstellung schlägt dabei einen Bogen vom Kabarett zu anderen Bereichen in Kultur und Gesellschaft. Mal geht es um die Doppelbegabung von Künstlerinnen und Künstlern, die zugleich gemalt und Kabarett gespielt haben. Mal stehen Alter, gesellschaftliche Fragen oder satirisches Fernsehen im Zentrum – immer mit Humor, Schärfe und einem liebevollen Blick auf das Thema.
Ob Plakatkunst, Fernsehgeschichte oder satirische Perspektiven auf das Leben: Das Museum zeigt jedenfalls, wie vielseitig Kabarett sein kann und wie sehr es unsere Gesellschaft begleitet und kommentiert.

Das Museum möchte ein Ort sein, an dem sich jede und jeder über alle Generationen hinweg wohlfühlt – unabhängig von den eigenen Vorkenntnissen im Bereich Kabarett. Interaktive Elemente, visuelle Inszenierungen und biografische Einblicke machen den Besuch dabei besonders anschaulich und unterhaltsam. Manchmal darf sogar getanzt werden: etwa zum Charleston der Zwanziger!
Auch junge Besucherinnen und Besucher sind willkommen: Schülerinnen, Schüler und Studierende besuchen das Museum kostenlos – und kommen bei freien Plätzen sogar gratis zu Kabarettveranstaltungen.

Wer durch die Räume geht, spürt schnell: Kabarett ist mehr als Unterhaltung. Es steht für Offenheit, Mut und die Freiheit, Dinge zu hinterfragen. Das Museum versteht sich als Raum, in dem Vielfalt und Respekt selbstverständlich sind – ganz im Sinne der vielen Künstlerinnen und Künstler, deren Werke hier bewahrt und erzählt werden. Das Archiv bietet dabei Raum für freie Meinungsäußerung, kritische Reflexion und solidarische Begegnung – im Geist einer lebendigen demokratischen Kultur. Eine Zweigstelle mit Schwerpunkt „DDR-Kabarett“ befindet sich in Bernburg an der Saale.
KONTAKT
Deutsches Kabarettarchiv und -museum
Neue Universitätsstraße 2
55116 Mainz
Zur Website
ÖFFNUNGSZEITEN
FÜHRUNGEN
Durch die AUSSTELLUNG mit der Kuratorin
inkl. Museumseintritt + 1 Glas Secco*
*auf Anfrage, mind. 10 Personen, 12 € p. P.
————————————————————————–
*auf Anfrage, mind. 15 Personen, 18 € p. P.
Die Auszeichnung „Museum des Monats“ ist mit 1.000 Euro dotiert und wird seit August 2022 vom Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz ausgelobt. Sie hat zum Ziel, die Museumsarbeit vor allem kleiner und mittelgroßer Museen landesweit in den Fokus rücken. Ausgezeichnet werden Museen, die sich mit gelungenen Ausstellungsprojekten zur Orts-, Regional- oder Landesgeschichte, mit innovativen Vermittlungsideen, interessanten digitalen Angeboten, erfolgreichen Partizipationsprojekten, gelungenen Maßnahmen zur Umsetzung der Barrierefreiheit, außergewöhnlichem gesellschaftlichem Engagement, beispielhaften Projekten zum Sammlungserhalt oder zur Sammlungserschließung oder bemerkenswerten Projekten generationenübergreifenden bürgerschaftlichen Engagements hervortun. Unterstützt wird das Kulturministerium bei der Auswahl der Auszeichnungen vom Museumsverband Rheinland-Pfalz. Alle ausgezeichneten Museen im Überblick gibt es auf der Webseite des Museumsverbands Rheinland-Pfalz:
Museumsverband Rheinland-Pfalz | Museum des Monats
