14.3.2020–29.11.2020
Zweibrücken, 14. März 1945
Heute gilt es uns!
Stadtmuseum Zweibrücken

Unter dem vielschichtigen Titel „Heute gilt es uns!“ präsentiert das Stadtmuseum im Gedenkjahr 2020 eine Sonderausstellung zur „Stunde null der Stadt Zweibrücken“.

Der verheerende Bombenangriff vom 14. März 1945 ließ das historische Stadtzentrum Zwei­brückens zu 85 % in Trümmern zurück. Kurz nach acht Uhr abends hatte die kanadische Luft­waffe (RCAF) in zwölf Minuten ca. 800 Tonnen Sprengbomben auf die Altstadt abge­worfen. Zielpunkt war der Schloss­platz, nicht wie zu vermuten wichtige Verkehrswege oder Industrie­anlagen. Trotz der Evakuierung im Spätjahr 1944 erlebten noch einige Tausend Menschen das Inferno in der Stadt, darunter sehr viele Zwangsarbeiter. Dank des großen Luftschutzkellers im Himmelsberg waren mit ca. 95 Toten weniger Menschenopfer zu beklagen als bei ver­gleich­baren Bombardierungen. Die Gesamtzahl der während des Zweiten Weltkrieges in der Stadt durch Kriegseinwirkungen umgekommenen Menschen beläuft auf 261, darunter ein sehr hoher Prozentsatz an Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern.

Fassungslos stand die Bevölkerung vor den rauchenden Ruinen, als sie die Bunker und Keller verließ. So hatte sie fünf Jahre zuvor die Worte von Gauleiter Josef Bürckel nicht verstanden, der ver­sprochen hatte, „die Heimat werde nach dem Krieg noch schöner als sie vorher war“. Was sie jetzt jedoch beim Verlassen der Bunker vorfand, beschrieb ein amerikanischer Kriegsbe­richt­er­statter als eine Stadt, die „aufgehört habe zu bestehen“. Dennoch kehrten die Zwei­brücker aus der Evakuierung zurück und bauten ihre Stadt wieder auf.

„Heute gilt es uns!── Mit den von Schrecken bewegten Worten kündigte der damalige Chefarzt des St. Elisabeth-Krankenhauses, Dr. Alois Keßler, am Abend des 14. März 1945 den Beginn der schrecklichsten Zerstörung an, die Zweibrücken in seiner Geschichte jemals erlitten hat.

„Heute gilt es uns!“ ── zu verhindern, dass so etwas je wieder passiert. Die Bombardierung der Stadt war eine Folge des von dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat begonnenen Zweiten Weltkrieges.  Die Sonderausstellung befasst sich deshalb nicht nur mit der Zerstörung, dem Leben in der Trümmerzeit sowie der Wiederaufbauleistung der 1950er und 1960er Jahre. Es ist an der Zeit auch nach den Ursachen für die Bombar­dierung zu fragen und sie in den Zusammenhang mit der Aufrüstungs- und Kriegspolitik der Nazis zu stellen. Im Fokus steht auch die Vorgeschichte, ohne die die Bombardierung nicht gesehen werden darf: der Siegeszug der Nationalsozialisten in einer Region, die von den Folgen des Ersten Weltkrieges besonders betroffen war.

Heute gilt es uns!“ ── für Friede und Demokratie einzutreten und zu verbreiten.

Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre mit Berichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der Bombardierung vom 14. März. Die Interviews wurden von Stadtarchivarin Dr. Charlotte Glück in den Jahren 1994/95 sowie 2004/05 gerade noch rechtzeitig geführt. Die Tonauf­nahmen wurden mit Einverständnis der Berichtenden verschriftet.