1.11.2020–31.1.2021
Slow Life Digital
Radikale Praktiken des Alltags
Ludwig Museum im Deutschherrenhaus

“Slow Life – Radical Practices of the Everyday” denkt über die drängenden globalen Fragen unserer Zeit nach und stellt alternative, nachhaltige Lebensweisen vor.

Die Ausstellung folgt dem Ansatz, dass die Welt sich in einer Krise befindet – bestehende Sozial- und Wirtschaftssysteme sowie Konsum- und Verbrauchskultur haben ernsthafte Umweltprobleme verursacht. Unsere gegenwärtigen Praktiken bieten keine wirklichen Lösungen, um unseren übermäßigen Verbrauch, die daraus folgende Abfallproduktion und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen unter Kontrolle zu halten.

Die sogenannte Slow-Revolution hat ihre Anfänge bereits in den 1980er Jahren, als erste Proteste gegen Fast-Food-Restaurants aufkeimten und die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung gesunder, qualitativ hochwertiger Lebensmittel regionalen Ursprungs lenkten. Carlo Petrinis gastronomische Initiative hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer globalen Bewegung weiterentwickelt, die heute nahezu alle Lebensbereiche, von der Arbeit bis zum Reisen, von Design bis zum Medienkonsum, umfasst. Dieser Ansatz der langsamen Lebensgestaltung verweist auf die Notwendigkeit, bestehende Strukturen zu überdenken und etablierte Praktiken in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Alltagsleben neu zu organisieren. Bewusstsein und kritische Haltung bringen immer mehr neue mögliche Alternativen hervor. Ideen von der Permakultur-Landwirtschaft bis zum Null-Abfall-Haushalt, von der freiwilligen Einfachheit bis zum Konzept einer wachstumsfreien Wirtschaft werden unter diesem Ansatz versammelt.

Die Ausstellung greift unterschiedliche alternative Praktiken, alltägliche “Revolutionen”, sanfte oder sogar radikale Ansätze auf, die das bestehende wachstums- und profitorientierte System in Frage stellen, einen Ausweg aus der Konsumspirale zeigen oder eine Haltung vertreten, die auf dem Momentum statt auf einem hektischen Lebensstil beruht. Das breite Spektrum der ausgestellten Gattungen umfasst Kunstwerke, die auf kritischem Denken basieren, während andere utopische Modelle zukünftige Herausforderungen darbieten. Gleichzeitig regen sie dazu an, unsere Konsumgewohnheiten sowie die Klischees der Wahrnehmung und Rezeption im Zusammenhang mit Kunst zu verändern.

Ziel der Ausstellung ist es, die Umweltauswirkungen und Ausbeutungspraktiken aufzuzeigen, die zu den aktuellen globalen Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialproblemen geführt haben. Gleichzeitig möchte die Ausstellung eine breitere Plattform für solche künstlerischen Positionen schaffen, die Nachhaltigkeit betonen und alternative Lebensweisen anbieten. Bedingt durch die vom Coronavirus verursachte globale Covid-19-Pandemie wurden die Themen der Ausstellung unmittelbar bevorstehend und drängend  – „Slow-life”  ist plötzlich eine alltägliche Realität geworden, eine erzwungene Lebensweise in der globalen Welt. Die “Quarantäne des Konsums”, die “Stay Home”-Bewegung, der Rückgang des Flugverkehrs, die sich verlangsamende Wirtschaft sind nur einige der unerwarteten Folgen des Virus, die rücksichtslos auf die positiven Auswirkungen eines langsameren Lebens hinweisen, aber auch enorme Herausforderungen für die Menschheit darstellen.

Kuratoren Museum Ludwig Budapest: Petra Csizek, Jan Elantkowski, József Készman, Zsuzska Petró, Viktória Popovics, Krisztina Üveges

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