7.7.2024–1.9.2024
Hans Otto Lohrengel
Neue Bildwelten
Roentgen-Museum Neuwied

Die Einzelausstellung im Roentgen-Museum zeigt einen Überblick über Hans Otto Lohrengels aktuelles skulpturales und fotografisches Schaffen.

Harmonie und Aggression sind die beiden wesentlichen Emotionen, die sich in allen Bereichen von Hans Otto Lohrengels Werk gegenüberstehen. In seinen Kopfskulpturen aus Bronze oder geöltem Lindenholz sind sie ebenso zu erkennen wie in seinen digitalen Fotocollagen. Auch in seinen zahlreichen Kunst-am-Bau-Werken im öffentlichen Raum findet sich dieses Thema immer wieder.

Der Kopf – als Träger des menschlichen Geistes und Bewusstseins – ist das zentrale Motiv, an dem sich Lohrengel seit Jahren abarbeitet. Mit immer neuen Aussagen und erprobt an unterschiedlichen Materialien, findet sich hier immer die harmonische Wellenlinie in den Gesichtszügen des stark abstrahierten Profils wieder. In ihrer Reduktion auf die wesentlichen Merkmale der menschlichen Silhouette stellen Hans Otto Lohrengels Skulpturen keine Individuen dar, sie fungieren als Platzhalter für den Menschen im Allgemeinen. So ermöglicht der Künstler es dem Betrachter, sich in jede seiner Arbeiten hineinzuversetzen. Auch das Wechselspiel zwischen Harmonie und Aggression – diese oft angedeutet durch scharfe Zickzacklinien, mal als Negativform aus der Skulptur herausgearbeitet, mal in den Hinterkopf der Skulptur eingegraben – fühlt der Betrachter intuitiv nach.

Auch Lohrengels digitale Fotocollagen enthalten die Elemente von Wellen- und Zickzacklinien. Für seine Werke, die der Künstler vornehmlich auf Alu-Dibond hinter Acrylglas fertigen lässt, fotografiert er Architektur an den unterschiedlichsten Standorten und aus verschiedenen Blickwinkeln. Anders als die Architekturfotografen Bernd und Hilla Becher, die Gebäude auf möglichst nüchterne Art und mit dokumentarischem Charakter fotografierten, lichtet Lohrengel seine Objekte auch gerne aus verschiedenen, ausschnitthaften Blickwinkeln ab. Dabei steht nicht der Ort selbst im Fokus, sondern die Einzigartigkeit der Strukturen. Diese können Eisenträger eines Bahnhofsdachs, das Licht- und Schattenspiel einer Bushaltestellenüberdachung oder auch sich vor dem Himmel kreuzende Kabel eines Straßenbahnnetzes sein. Am Computer fügt der Künstler seine Fotografien mosaikartig zusammen, so dass neue Räume, oftmals mit ornamentalen Strukturen entstehen – neue Bildwelten, die das Auge des Betrachters in ihre Tiefe ziehen. In seiner so geschaffenen Linienführung finden sich die Elemente von Harmonie und Aggression, die seinen Skulpturen zu eigen sind, wieder.