5.12.2021–23.1.2022
GAWINA & andere Experimente
Stipendiaten Künstlerhaus Edenkoben
Ludwig Museum im Deutschherrenhaus

Selbstporträt von Karima Ashadu
© Karima Ashadu (Ausschnitt)
Das Ludwig Museum Koblenz präsentiert die vier Stipendiaten des Künstlerhauses Edenkoben der Jahre 2019 und 2020: Karimah Ashadu, Gabriele Engelhardt, Wiebke Elzel, Nandor Angstenberger.

Das in der südlichen Pfalz gelegene Künstlerhaus Edenkoben ist eine Institution der Stiftung für Kunst und Kultur Rheinland-Pfalz und versteht sich als ein Ort, an dem nationale und internationale Autor*innen sowie Künstler*innen über mehrere Monate leben und arbeiten. Die vergebenen Stipendien erfolgen auf Basis eines Ausleseprozesses des wissenschaftlichen Beirates des Künstlerhauses und sind eine besondere Auszeichnung für außergewöhnliches künstlerisches Schaffen. Im jeweils zweijährigen Turnus werden die Werke der letzten vier Stipendiat*innen der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit 2019 stellen die Künstler*innen im Ludwig Museum in Koblenz aus, was vielfach Bezug nimmt auf ihre künstlerische Arbeit sowie auf ihre produktive Zeit in Edenkoben.

Karima Ashadu wurde 1985 in London geboren. Sie studierte am renommierten Londoner Chelsea College of Art and Design. Die britisch-nigerianische Künstlerin, die sich auf das bewegte Bild spezialisiert hat und deren Schaffen ebenfalls Bildhauerei und Performances umfasst, setzt sich in ihren Werken mit dem Verhältnis von globalen Entwicklungen und der menschlichen Identität auseinander. Einen Großteil ihres Schaffens widmet sie dem afrikanischen Kontinent, insbesondere Nigeria, sowie Arbeit als allgegenwärtiges Thema.
Karimah Ashadu erhielt mehrere Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Arts Council England, De Ateliers und ARTE Creative. Karimah Ashadus Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem im Faena Forum und Bazaar (Miami Beach), Faena Art Center (Buenos Aires), Kunsthaus Hamburg, Bozar (Brüssel) und De Ateliers (Amsterdam).
Sie lebt und arbeitet abwechselnd in Hamburg und Lagos.

Im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung von Gabriele Engelhardt steht die Verbindung zweier, sich scheinbar ausschließender künstlerischer Techniken: der Fotografie als zweidimensionalem und der Bildhauerei als dreidimensionalem Medium. Dabei interessiert sie sich besonders für das technische Verfahren des Modellierens und die damit verbundene Vorstellung eines formbaren Materials, wie sie für beide Techniken bestimmend ist. Bei ihren Bildern handelt es sich fast ausschließlich um bildnerisch inszenierte Fiktionen, und was als raumzeitlich kohärente Fotografie erscheint, lässt sich als Montage aus Bildfragmenten erkennen. Jedes einzelne Bild, das sich monoperspektivisch singulär präsentiert, setzt sich aus unzähligen einzelnen Aufnahmen unterschiedlichster Perspektiven zusammen. Dabei steht inhaltlich vor allem die Fragestellung des Eingriffs des Menschen in die Natur im Vordergrund.

Wiebke Elzel studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Von 2012 bis 2018 lehrte sie künstlerische Fotografie an der Kunsthochschule für Medien Köln.
Ihre künstlerische Arbeit ist geprägt von narrativen Elementen; überwiegend arbeitet sie mit den Medien Fotografie und Text. Wiebke Elzels Arbeiten befassen sich häufig mit grundlegenden Fragen nach dem Verhältnis von Kunst, Weltgeschehen und Individuum und reflektiert dieses anhand ihres eigenen Bezugssystems aus Sammeln, Recherchieren und Neukontextualisierung. Ihr aktuelles Projekt kreist um eine möglicherweise fiktive mittelalterliche Künstlerin, zu der sie bereits während ihres Aufenthalts im Künstlerhaus Edenkoben recherchierte. Anhand der Widersprüchlichkeit der Quellen, Informationen, Legenden, umstrittenen Fakten und offensichtlichen Fiktionen zeichnet Wiebke Elzel ein Netz aus Verflechtungen verschiedener Themen, die sehr gegenwärtige Problematiken berühren.

Nándor Angstenberger, geboren 1970 in Novi Sad/Serbien, studierte von 1992 bis 1999 freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, unter anderem bei Bogomir Ecker. Seit seinem Diplom mit Auszeichnung lebt er in Berlin und erhielt im Anschluss mehrere Förderungen, so beispielsweise das Stipendium für die Künstlerhäuser Worpswede (2007) oder den Kunstpreis der Stadt Friedrichshafen (2003).
Nándor Angstenberger ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Weltenbauer. Seine fragilen Konstruktionen aus Tausenden kleinster Kunststoffteile, aus Styropor und Pappe entwerfen ebenso wie seine kleinteiligen Papiercollagen visionäre Wohn-, Lebens- und Landschaftszusammenhänge, die zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen rückblickendem Zitat und freischwebender Utopie eine kaum lokalisierbare Zwischenwelt beschreiben. Seine Konstruktionen sind weder Modelle für Etwas noch Modelle von Etwas. Vielmehr entwickeln sie nur schwer beschreibbare visuelle Labyrinthe aus einer Fülle von gefundenen Materialien, die sich selbst bei genauerem Hinsehen noch zu immer wieder neuen Vorstellungswelten aus Treppen und Gängen, Räumen und Durchblicken, Balkonen und Gerüsten zusammenfügen.