30.8.2020–18.10.2020
Hotspot Songzhuang
Fang Lijun & Ren Rong
Ludwig Museum im Deutschherrenhaus

Fünf verschiedenfarbige menschliche Köpfe
© Fang Lijun
Die Gemälde und Skulpturen der beiden Künstler aus dem chinesischen Künstlerdorf Songzhuang bieten ein interessantes Spektrum ihrer kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen Lebensumständen.

Fang Lijun zählt zu der ersten Generation junger, rebellischer Künstler, die nach der Öffnung Chinas von sich reden machten. Bereits Anfang 1990 ist er mit einigen Arbeiten in Deutschland in Ausstellungen vertreten. Fangs expressive Kunst lässt sich grob als „Zynischer Realismus“ beschreiben. Sie kreist um den Menschen als Individuum und Teil einer Massengesellschaft - ganz in der Reflexion der chinesischen Verhältnisse, in denen Fang aufgewachsen ist und noch immer lebt. Der Künstler fokussiert, neben dem wiederkehrenden Motiv des Schwimmers, insbesondere männliche Köpfe, die zur Projektionsfläche vielfältiger, auch grotesker Emotionen und existenzieller Zustände werden.

Bereits Anfang der 1990er Jahre wird er mit anderen jungen Künstlern aus China in Deutschland gezeigt und vom Ehepaar Ludwig gesammelt. Neben seinen großformatigen Gemälden hat er sich immer wieder mit dem klassischen Holzschnitt auseinandergesetzt und ein beeindruckendes Oeuvre geschaffen. Erstmals zeigt das Ludwig Museum eine Bandbreite großformatiger, oftmals mehrteiliger farbiger Holzschnitte von Fang Lijin.

Auch Ren Rong lebt im Künstlerdorf Songzhuang, in der Nähe von Beijing, wo sich mittlerweile zahlreiche Künstler angesiedelt haben, um der Enge und den hohen Lebenshaltungskosten in Beijing zu entfliehen. Aus dem ursprünglich beschaulichen Dorf ist selbst schon eine kleine Metropole geworden. Die Künstler suchten jedoch ursprünglich die Einfachheit und Beschaulichkeit des ländlichen Lebens und der direkten Kommunikation. Hier entstehen zahlreiche seiner Skulpturenprojekte, entwickelte er u.a. die Idee des Pflanzenmenschen, für die er berühmt ist.

In jüngster Zeit wendet Ren Rong zum einen eine neue Technik der Frottage an, die er ebenfalls mit chinesischen Motiven und Symbolen beseelt und inszeniert installative Ensembles aus seinen Stahlskulpturen. Mit Spaten und Masken schlägt er nun eine deutlich kritische Tonart an, die sich ergänzend wiederfindet in den grellbunten Holzschnitten von Fang Lijun.