3.10.2020–20.12.2020
Die Geschichte der Diezer Vereine
Ein Rückblick in Bildern, Objekten und Dokumenten
Museum im Grafenschloss Diez

Der Verein im heutigen Sinne hat noch keine lange Geschichte. Sie beginnt in den Jahren um 1800. Die neue Sonderausstellung im Grafenschloss Diez verfolgt diese Geschichte.

In der Zeit um 1800 entstanden lose patriotische Vereinigungen mit dem Ziel, die französische Vorherrschaft loszuwerden und einen einheitlichen Staat zu gründen. Nach dem Ende der Ära Napoleons und der anschließenden politischen Neuordnung in den deutschen Ländern aber wurden politische Vereinsaktivitäten unterdrückt, da ihre national-patriotische Ausrichtung die kleinstaatliche Ordnung in Deutschland in Frage stellte. Versammlungen, die über den privaten Rahmen hinausgingen, erforderten nun eine behördliche Genehmigung und durften auf keinen Fall politischen Charakter haben. Debattierklubs und politische Gesellschaften wurden verboten. So setzte sich zum Betonen des Unpolitischen in dieser Situation der unverdächtige, nüchterne Begriff „Verein“ als Bezeichnung für den freiwilligen, organisierten Zusammenschluss mehrerer Personen durch.

Dennoch waren die Vereine dieser Zeit nicht völlig unpolitisch. Sie konnten es selbst bei unpolitischen Zielsetzungen nicht sein, denn das Zusammenwirken mehrerer Personen war per se eine politische Tätigkeit, die von der Obrigkeit mit Argwohn betrachtet und möglichst genau kontrolliert wurde. Das Politische lag schon in der mehr oder weniger demokratischen Struktur der Vereine. Ihre Amtsträger wurden auf Zeit gewählt und konnten abgewählt werden. Dies war, wenn auch nur auf unterster, nicht-staatlicher Ebene, ein klares Gegenmodell zur monarchisch-aristokratischen Herrschaftsform der deutschen Kleinstaaten. Die Funktionsfähigkeit dieses demokratischen Modells bewies im Kleinen, dass Zusammenschlüsse von Menschen auch ohne die vorgeblich gottgegebene Organisationsform der erblichen Aristokratie funktionieren konnten.

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