13.11.2022–29.1.2023
Boris Lurie & Wolf Vostell
Art After the Shoah – An Art of Survival
Ludwig Museum im Deutschherrenhaus

Die Ausstellung vergleicht erstmals die Künstler Boris Lurie und Wolf Vostell im Zeichen ihrer gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Shoah in Deutschland wie auch in Amerika nach 1945.

Boris Lurie, 1924 in Leningrad (heute St. Petersburg) und Wolf Vostell, 1932 in Leverkusen geboren, verband eine lebenslange Freundschaft. Lurie, der russische Jude, der in Riga aufwuchs und die Schrecken der Shoah erlebte, wurde von Vostell, der diese traumatischen Erfahrungen als Deutscher nachempfinden wollte, sofort verstanden, da er selbst an seine jüdischen Wurzeln glaubte und mit dem Schicksal der Juden sich eng verbunden fühlte. Beide Künstler hatten nicht nur ein gemeinsames Thema, sondern griffen unabhängig voneinander im Verlauf der 1950er-Jahre auf die Collage- und Montagetechniken der frühen Avantgarden zurück.

Vermutlich trafen sie sich während des ersten Aufenthaltes von Vostell im Mai 1963 in New York. Vostell schrieb rückblickend über diese Begegnung: „Zur gleichen Zeit lernte ich dann Boris Lurie kennen […]. Es war allzu natürlich, dass sich eine Begegnung ergab, weil wir am selben Thema, an der gleichen Ausdrucksweise arbeiteten.“

Trotz des Altersunterschiedes begannen die beiden Künstler mit ihrer künstlerischen Produktion erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Beide arbeiteten zunächst mit den Mitteln der traditionellen Malerei und setzen sich im Verlauf der 1950er-Jahre unter Verwendung der Techniken der Collage und Assemblage kritisch mit der Pop Art in New York (No!art-Bewegung, Lurie) und dem Nouveau Realism in Paris (dé-coll/age, Vostell) auseinander.

Wie Boris Lurie lehnte Wolf Vostell den Kunstmarkt sowie Kunst als Konsumgut radikal ab. Auch er konzentrierte sich seit 1959 auf die Auseinandersetzung mit der verdrängten Vergangenheit und auf die Fortdauer von Gewalt und Kriegen in der Gegenwart.